Angedacht

 

Himmelfahrtskommando

Apostelgeschichte 1,1-12

Auf einmal ist Jesus weg. Das ist schon irgendwie krass, oder? Eben redet er noch mit den Jüngern, und plötzlich ist er nicht mehr da. Er verschwindet in einer Wolke. Er geht zurück zu Gott. Jesus macht einfach mal so eine Himmelfahrt. Er wurde hinaufgehoben, „und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen“. Ist Himmelfahrt das Umkehrstück zu Weihnachten? Da ist er gekommen, hier geht er wieder, und das war’s, bis er dann irgendwann mal wiederkommt?

Am Ende seines Evangeliums erzählt Lukas ebenfalls, wie Jesus in den Himmel aufsteigt. Ganz zum Schluss heißt es dort: Die Jünger „kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott“. (Lukas 24,52) Das ist doch seltsam, oder: Jesus ist weg und die Jünger freuen sich. Abschied ist normalerweise etwas Trauriges. Wenn man an der Haustür steht oder am Bahnsteig, bei der letzten Umarmung, da ist man doch eher wehmütig. Aber die Jünger freuen sich hier.

Offensichtlich kamen sie sich nicht verlassen vor. Sie hatten die Gewissheit, dass Jesus sie nicht einfach alleine lässt, sondern vielmehr noch näherkommt. Genau das ist der Punkt: Himmelfahrt heißt nicht, dass Jesus jetzt ganz weit weg ist, sondern: Jesus ist jetzt immer da. Nicht nur damals, sondern er ist heute da, auch bei uns. Durch seinen Heiligen Geist ist er bei uns. Himmelfahrt ist also die Erfüllung von Weihnachten. Wenn Weihnachten heißt: Jesus ist gekommen, dann heißt es hier: Jesus kommt immer noch. Heute. Hierher. Zu mir. Zu Dir.

Wie hätten wir wohl reagiert, wenn da plötzlich einer nach oben entschwinden würde wie so ein mit Gas gefüllter Luftballon. Da stehen die Jünger und schauen ihm nach, bis er weg ist, und sind zunächst irgendwie in einer Schockstarre, weil sie es eigentlich gar nicht fassen können, was da gerade passiert ist. Mit einem Mal werden sie aus ihren Träumen gerissen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?“ Das hört sich ein bisschen an wie: „Hallo, Erde an Jünger! Jesus ist weg, und er kommt wieder. Aber ihr müsst jetzt nicht so lange verträumt in den Himmel schauen. Ihr müsst auch nicht ‚Zeit oder Stunde‘ erforschen, wann er denn nun genau wiederkommt. Er hat euch doch einen Auftrag gegeben.“ Richtig, da war etwas ganz Entscheidendes: Sie sollen in der Kraft des Heiligen Geistes das Zeugnis von Jesus bis ans Ende der Erde tragen. Das ist die Aufgabe der Jünger. Das ist unsere Aufgabe.

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