Angedacht

 

Leben, um Gott zu gefallen

1.Thessalonicher 4,1

Wenn ich einem anderen Menschen begegne und mit ihm spreche, dann kann ich schnell heraushören, was der andere von mir will. Sein Gesichtsausdruck spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auch die Art, wie er etwas sagt. Da fällt es mir leicht, festzustellen, wie die Worte gemeint sind. Handelt es sich um ein Lob oder eine Kritik? Geht es um eine bloße Information oder möchte er mir seine Meinung zur Lage der Nation mitteilen?

In einem Brief oder in einer E-Mail ist das schwieriger. Früher konnte ich manchmal noch an der Handschrift erkennen, ob der Schreiber gleichmäßig und ruhig geschrieben hat oder ob es in großer Aufregung geschah. Aber bei einer E-Mail oder einem Brief, der aus dem Drucker kommt, kann ich das nicht sehen. Das macht es manchmal ganz schön kompliziert.

Der Apostel Paulus hat viele verschiedene Briefe an die Gemeinden geschrieben, die durch seine Missionstätigkeit entstanden sind. Da gab es immer wieder Sorgen und Nöte, die er auf diese Weise klären wollte. Was hat es also damit auf sich, wenn Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Tessaloniki einen sehr ernsten Abschnitt mit den Worten beginnt „wir bitten und ermahnen euch“?

Ja was denn nun? Eine Bitte oder eine Ermahnung? Schließt sich das nicht gegenseitig aus? „Ich bitte dich, dass du dies oder das tust“ – das klingt doch viel freundlicher, als wenn ich schreibe: „Ich ermahne dich, das zu tun und jenes zu lassen“!

Wir schauen mal, wie es dort weiter geht. Paulus schreibt in 1. Thessalonicher 4, 1 „Weiter, Brüder und Schwestern, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr wandeln sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut –, dass ihr darin immer vollkommener werdet.“

Diese Gemeinde hat etwas, und das soll sie auch zukünftig beibehalten. Das ist der Grund für die Bitte und die Ermahnung. Eigentlich müsste Paulus sie nicht ermahnen, weil sie ja das schon hat und tut, worauf es ihm ankommt. Doch weil Paulus weiß, wie leicht das verloren gehen kann, ermahnt er sie dennoch. Die Gemeinde weiß, wie sie leben muss, um Gott zu gefallen. Und sie soll darin nicht nachlassen, sondern das auch weiterhin tun.

Die Christen dort in Thessaloniki haben von Paulus und seinen Mitarbeitern gelernt, wie so ein Leben im Glauben aussieht. Das ist ein Prozess, und daher ist Paulus daran gelegen, dass es genau so weitergeht. Die Basis und auch das Ziel bildet Jesus Christus. Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Gemeinden, die sich von ihrem Ursprung entfernen, gibt es schon genug. Die Gemeinde in Thessaloniki soll nicht dazu gehören – und überhaupt keine Gemeinde. Auch heute nicht.

Beim Glauben geht es darum, Jesu nachzufolgen. Eigentlich keine große Sache, sondern viele kleine Schritte. Nachfolge bedeutet, dass mein ganzes Leben von der Gnade Gottes bestimmt wird. Und die wird sichtbar im Leben und in der Botschaft von Jesus Christus. Glauben bedeutet, dass mich nichts und niemand von Jesus Christus abbringt, dass mir nichts wichtiger wird als er. Denn es geht um Gott und nicht etwa darum, anderen Menschen zu gefallen. Das ist die große Gefahr, damals wie heute, dass es letztlich doch nur darum geht, wie wir vor den anderen dastehen. Paulus sagt: Das ist nicht der Punkt. Ihr habt es bei uns gesehen und gelernt. Wir können nicht an Jesus glauben und dann ganz anders leben. Glaube findet nicht nur sonntags statt, sondern vor allem werktags.

Ob das so einfach geht? Ganz bestimmt! Ich kenne Menschen in unterschiedlichen Gemeinden, von denen ich viel lernen kann. Ihr ganzes Leben ist ein Zeugnis für andere. Denn sie haben nicht ihre Wirkung auf andere im Blick, sondern allein Gott.

Und nun fordert Paulus hier, „dass ihr darin immer vollkommener werdet“. Als ob es von „vollkommen“ eine Steigerung gäbe. Doch ich merke, dass sowohl die, die mir Vorbild sind, als auch ich selbst immer wieder bei null anfangen müssen. Wenn nichts auf der Haben-Seite zu verbuchen ist. Vor Jesus Christus mit leeren Händen stehen – und immer wieder anfangen zu dürfen – das ist das große Geschenk seiner Gnade. Und auf dem Weg der Nachfolge darf ich es immer wieder in Anspruch nehmen. Das Ziel ist klar: Wir leben, um Gott zu ehren und ihm zu gefallen.

Alexander Märtin