Angedacht

 

Von Gott gefunden

Lukas 15,8-10

In Lukas 15 finden wir drei Gleichnisse, in denen es um etwas Verlorenes geht: Ein Schaf, eine Silbermünze und schließlich der verlorene Sohn. Ausgangspunkt ist ein Streitgespräch zwischen Jesus und den Pharisäern und Schriftgelehrten. Die religiöse Elite Israels regt sich wieder einmal über Jesus auf: „Dieser nimmt die Sünder an. Er isst sogar mit ihnen.“ Sie zweifeln an dem, was Jesus sagt und tut. Sie glauben nicht, dass seine Worte und Taten mit Gottes Willen übereinstimmen und wollen Gott verteidigen.

Im 2. Gleichnis erzählt Jesus von einer Frau, die nicht sehr viel besitzt: 10 Silbermünzen. Eine davon verliert sie. Und nun macht sie sich viel Mühe, um diese eine Münze wieder zu finden. Sie stellt das ganze Haus auf den Kopf und beginnt eine komplette Putzaktion. Alles wird angehoben, jede Ecke wird gefegt, in jeden Winkel leuchtet sie hinein. Irgendwo muss doch diese Münze sein!

Mit dieser Beschreibung verdeutlicht Jesus das Handeln Gottes. Er gibt sich unendlich viel Mühe, um einen einzigen Sünder zu finden. Da gerät der ganze Himmel in Bewegung. Jesus versucht, die Pharisäer und Schriftgelehrten für diese Perspektive Gottes zu gewinnen, aber so einfach ist das nicht, damals wie heute. Viel zu schnell verlieren wir die Menschen aus dem Blick, die noch nicht von Gott gefunden wurden.

Dabei müssen wir uns folgendes vor Augen führen: Als Nachfolger Jesu bleiben wir immer seine Lehrlinge, seine Azubis. Wir lernen nie aus. Doch da ist die Gefahr der Routine: Jede Begegnung mit Menschen verläuft anders. Nichts vollzieht sich in den gleichen Bahnen. Was heißt das aber nun für uns? Wir müssen Jesus immer wieder neu begegnen, um den Menschen begegnen zu können. Dazu möchte ich drei kurze Gedanken formulieren.

  1. Die Tatsache der Verlorenheit: Ohne Jesus sind Menschen verloren. Und ohne diese Erkenntnis können wir niemanden dafür gewinnen, ein Leben mit Jesus zu beginnen. Wir haben Gottes Gnade nicht verdient, aber er hat sein Anrecht auf unser Leben nicht aufgegeben. Die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, sind alle potentielle Kinder Gottes. Doch die wahrscheinliche Reaktion dieser Menschen lautet: „Bin ich wirklich einer, der Hilfe braucht? Oder gar Erlösung?“ In unserem Gleichnis wird diese Frage nicht beantwortet – die Münze wird nicht gefragt! Sie liegt da still in einer Ecke des Hauses und rührt sich nicht. Auch das Schaf kann nicht viel zum Geschehen beitragen.

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