Angedacht

 

Wir warten – aufs Christkind?

Matthäus 21,1-9

Israel war voller Erwartung. Viel zu lange schon hatten die Römer das Land besetzt. Eine fremde Herrschaft, hohe Steuern und Repressalien waren die Lasten, die sie zu tragen hatten. An allen Ecken und Enden waren römische Soldaten zu sehen. Man war nicht mehr sein eigener Herr, sondern ein besiegtes Volk in einem besetzten Land. Zwar durften die Menschen noch ihren eigenen Glauben ausüben, aber selbst das war der Staatsmacht ein Dorn im Auge.

Kein Wunder also, dass im Volk die Sehnsucht nach einem Befreier zunahm. Die alttestamentlichen Texte waren voll von Verheißungen über den Messias, der die Welt wieder in Ordnung brächte. Er würde kommen mit Macht und Herrlichkeit. Alle Knie sollten sich vor ihm beugen. Ein Sohn Davids, ein Herrscher wie dieser große König. Vor ihm würden sogar die Römer zurückweichen müssen. Der würde die Gerechtigkeit wiederherstellen. Der wäre ein König für die Armen und Unterdrückten. »Siehe, dein König kommt, ein Gerechter und ein Helfer« – genauso hatten es die Menschen im Ohr.

Und dann zog Jesus in Jerusalem ein, auf einem Esel. Wie damals König Salomo. Und hat der Prophet Sacharja nicht gesagt, dass der Befreier auf einem Esel einreiten sollte? Die Menschen, die dabeistanden, bekamen Hoffnung. Einer nach dem anderen zog sein Gewand aus und bereitete einen Teppich. Zweige wurden ausgelegt. „Gib Heil! Hosianna. Hilf uns!“, so war es durch die Gassen zu hören. „Du Sohn Davids, gelobt seist du!“ Gott würde seine Gerechtigkeit wieder aufrichten, und die ganze Welt sollte sehen, wer hier Macht hat. Endlich hatte das Warten ein Ende.

Advent bedeutet Ankunft. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor. Aber meistens sind wir beschäftigt mit Plätzchenbacken, dem Menü für das Fest, den Besorgungen von Geschenken und dem Christbaum. Können wir angesichts dieser Vorbereitungen überhaupt noch richtig warten. Und sind wir mit unseren Erwartungen noch offen für den, der kommen will?

In diesem Jahr ist vieles anders: Keine Weihnachtsmärkte, eingeschränkte Besuche und wir werden auch nicht auswärts essen gehen. Da singen wir sonst immer von der stillen, heiligen Nacht – und dann halten wir die Stille kaum noch aus. Wir wollen uns auf ein schönes, friedvolles, heimeliges Fest am 24.12. vorbereiten. Und obwohl es selten mehr Streit in den Familien gibt als am Heiligabend, sind wir mit der jetzigen Situation auch nicht zufrieden.

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