Angedacht

 

Nun hab dich nicht so!

Eine Andacht über Jeremia 1,1-10

Jeremia stammte aus einer Familie von Priestern. Sein Vater war Priester, sein Großvater, wahrscheinlich alle seine Onkel und wohl auch seine Brüder. Seine Eltern werden von dem jungen Jeremia sicher erwartet haben, dass auch er mal in der Tradition der Familie im Tempel seinen Dienst ausüben wird. Vielleicht war er ja schon in der Ausbildung, als Gott selbst zu ihm sprach. Und Gott teilte ihm mit, dass er etwas andere Pläne mit ihm hatte: Er berief ihn zum Propheten für sein Volk.

Manch einer wird sich fragen: Na und? Was macht das denn schon aus? Ist doch ein und dasselbe. Nicht ganz. Da gibt es schon einen Unterschied, und deswegen zögerte Jeremia wohl auch, als er Gottes Reden vernahm. Denn der Dienst eines Propheten war wesentlich herausfordernder als der eines Priesters. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, ich wäre auch lieber Priester geworden. Festanstellung, gesichertes Einkommen, geregelte Arbeitszeiten. Und sogar Freizeit. Was will man mehr?! Er wusste ganz genau, was zu tun war, für alles gab es Vorschriften und Abläufe, er musste sich nicht groß den Kopf zerbrechen.

Der Dienst eines Propheten sah ganz anders aus: Man wusste nie, was Gott als Nächstes vorhatte. Die Aufgabe des Priesters bestand hauptsächlich darin, die Vergangenheit zu bewahren, aber dem Propheten ging es darum, die Gegenwart zu verändern, damit die Menschen unter Gottes Leitung eine Zukunft hatten. Und genau darin lag das Problem: Wenn der Prophet sah, dass die Leute in die falsche Richtung liefen, dann musste er sie irgendwie zurück auf den richtigen Weg rufen. Er musste ihre Herzen erreichen und sie überzeugen, doch das menschliche Herz kann manchmal richtig stur sein. Für Jeremia wäre es so viel einfacher gewesen, Priester zu werden: Als Prophet gab er alle Annehmlichkeiten auf, um sich vor das Volk hin zu stellen und ihnen unangenehme Wahrheiten mitzuteilen, die sie nicht hören wollten. Kein Wunder, dass er nicht gleich begeistert Ja sagte.

Es gab sicher immer wieder auch Zeiten, wo es leichter war, Gott zu dienen, aber in manchen Zeiten im Verlauf der Geschichte war dieser geistliche Dienst besonders schwer. Und Jeremia lebte in so einer Zeit. Er wurde geboren, als Manasse König von Juda war. Der war gerade mal 12 Jahre, als er den Thron bestieg, und leider hatte er ganz miese Berater. Das bedeutete: Götzendienst in Jerusalem, in jedem Dorf und auf jedem kleinen Hügel. Altäre und Figuren an jeder Ecke. Man liebte es bunt und vielfältig. Als Gott zu Jeremia sprach, war Josia König geworden, und der wollte alles wieder auf Anfang setzen. Er beendete den Götzendienst und versuchte, dem Gesetz Gottes wieder Beachtung zu verschaffen. Letztlich gelang ihm aber nur eine äußere Reformation, eine innere Erneuerung der Herzen der Menschen schaffte er nicht. Die Lage war nach wie vor ernst.

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