Angedacht

 

Einfach Vertrauen

Matthäus 8,13

Er passte in kein Klischee. Er war ein Soldat. Hauptmann der ungeliebten römischen Besatzungsmacht. Und doch war er auch Teil der jüdischen Gesellschaft. Er wurde geschätzt und geachtet. Niemand kennt heute noch seinen Namen. Doch sein Titel hat die Generationen, hat die Jahrhunderte überdauert: Der Hauptmann von Kapernaum.

Hier im Norden des Landes, am Westufer des Sees Genezareth, befehligte er eine römische Hundertschaft. Offenbar war er fasziniert von den Menschen, denen er dort begegnet war. Von den Menschen und von ihrem Glauben. Möglicherweise war er vielleicht sogar schon zum Judentum übergetreten. Jedenfalls hatte er kräftig dabei mitgeholfen, die Synagoge in Kapernaum zu bauen. Die Grundmauern kann man dort bis heute besichtigen.

Ein Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte. Einer, dem die Menschen wichtig waren, der sich für sie einsetzte, wo immer es ging. Matthäus und Lukas erzählen seine Geschichte. Ich will sie kurz zusammenfassen: Jesus kommt zurück nach Kapernaum. Dort hat er sozusagen sein Hauptquartier aufgeschlagen. Direkt am Eingang des Ortes nimmt ihn der Hauptmann beiseite. Sein Diener ist krank. Er ist gelähmt und leidet unter großen Schmerzen. Jesus reagiert sofort: „Ich komme mit und werde ihn gesund machen.“ Das aber kann sich der Hauptmann beim besten Willen nicht vorstellen. „Herr, ich bin es nicht wert, dich in meinem Haus zu empfangen. Sag nur ein einziges Wort, dann wird mein Diener gesund.“

Eine eindrucksvolle Kombination von Bescheidenheit und Vertrauen. Der Hauptmann begründet dieses Vertrauen gleich: „Auch ich unterstehe höherem Befehl und kann meinen Soldaten Befehle erteilen. Wenn ich zu einem sage: ›Geh!‹, dann geht er; wenn ich zu einem andern sage: ›Komm!‹, dann kommt er; und wenn ich meinem Diener befehle: ›Tu das!‹, dann tut er's.“

Im Grunde genommen bringt er damit zum Ausdruck, wie er Jesus betrachtet. „Dir, Jesus, sind alle Mächte dieser Welt untergeben. Was du ihnen befiehlst, das müssen sie tun.“

Als Jesus das hört, staunt er. Zu den Menschen, die dabeistanden, sagt er: „Einen solchen Glauben habe ich in ganz Israel noch nicht gefunden.“ Seine Zuhörer blicken beschämt zu Boden. Jesus sagt dies über einen römischen Hauptmann und er setzt noch eins drauf: „Im Himmelreich werden ganz andere Menschen mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tisch sitzen, als ihr es erwartet. Das Reich Gottes hat seine Grenzen geöffnet, es ist längst nicht mehr nur für die Kinder Israels da.“

Und dann wendet er sich dem Hauptmann wieder zu und sagt: „Was du geglaubt hast, wird geschehen. Ja, es ist bereits geschehen.“ Und in diesem Moment wurde der Diener des Hauptmanns gesund.

Bescheidenheit und Vertrauen, das ist das, was Jesus sucht. Bescheidenheit, denn niemand hat einen Anspruch auf seine Hilfe, auf seine Fürsorge. Niemand hat das Recht auf seine besondere Zuwendung. Alles ist Gnade. Alles ist Barmherzigkeit. Jesus lässt sich nicht zwingen. Er tut, was er will und hilft, wem er will. Vertrauen, denn nur wer Jesus alles zutraut, wird seine Wunder erleben.

So möchte ich Jesus auch begegnen. Bescheiden, denn ich weiß, dass ich nichts vorzuweisen habe, was ihn beeindrucken könnte. Der Satz des Hauptmanns von Kapernaum ist in abgewandelter Form in zahlreiche Gebete eingegangen: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Ein solcher Satz drückt eben auch das andere schon aus. Ich will Jesus vertrauen. Und wo mein Vertrauen nicht ausreicht, da will ich ihn auch um dieses Vertrauen bitten.

Er muss nur ein Wort sprechen. Sein Wort verändert alles. Sein Wort vertreibt die Dunkelheit aus meiner Seele. Sein Wort macht alles anders. Sein Wort öffnet mir die Tür zum Himmel.

Deswegen wohl wird sie bis heute immer wieder erzählt, die Geschichte von dem römischen Hauptmann aus Kapernaum. Und am Ende gilt diese Zusage jedem, der bescheiden bleibt und vertraut. „Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.“ (Matthäus 8,13)

Alexander Märtin