Angedacht

 

Der Lebensfaden

Psalm 116,1-2

Es war einmal eine Spinne. Die lebte glücklich und fröhlich in ihrem Netz. Alles war gut, bis sie einer Einladung zu einem gelehrten Vortrag bei einer großen Spinnenversammlung folgte. Aufmerksam hörte sie zu, wie der Redner sagte: Die Welt ist anders geworden, ihr müsst euch anpassen, Altes aufgeben. Ihr müsst rationalisieren. Der Vorwurf der Rückständigkeit machte die Spinne nervös. Als sie nach Hause kam, inspizierte sie umgehend ihren ganzen Betrieb. Aber kein Faden war überflüssig, jeder schien für das Geschäft dringend notwendig. Verzweifelt und dem Herzinfarkt nahe, fand die Spinne schließlich einen Faden, der senkrecht nach oben lief. Ob dieser Faden wohl zu etwas nütze war? Und sie erinnerte sich. An diesem Faden war noch nie eine Fliege hängen geblieben. Also weg damit! Die Spinne biss den Faden ab und das Netz fiel in sich zusammen. Es war der Faden, an dem das ganze Spinnennetz aufgehängt war.

Machen wir es oft nicht ganz ähnlich? Wir haben unser Leben hier auf dieser Erde mehr oder weniger perfekt organisiert. Auf der horizontalen Ebene, in unseren Beziehungen und bei allem, was wir tun, sind wir ganz gut unterwegs. Aber den Faden des Gebets, der nach oben verläuft und an dem doch unser Glaube, ja unser ganzes Leben hängt, den vernachlässigen wir, oder wir kappen ihn sogar ganz ab. Gehörst du zu den Menschen, die mit dem Eindruck leben, dass Beten ohnehin nichts nützt? Dass es keine Rolle spielt, denn beten verändert ja doch nichts? Beten geht nur bis zur Zimmerdecke, vielleicht auch etwas weiter, aber ganz sicher nicht bis zu den Ohren Gottes.

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