Heinrich Müller

Geb.:    4. Juli 1897
Gest.:   2. Mai 1971
1921      Umzug nach Lemgo-Lieme
1923      Heirat mit Auguste Schröder
1927      Gründung der Ev. Volks- und Schriftenmission
1959      Tod von Auguste Müller
1961      Heirat mit Gertrud Sieghardt
1971      Tod von Heinrich Müller
2008      Tod von Gertrud Müller-Sieghardt

HEINRICH MÜLLER

Gründer und langjähriger Leiter der Volks- und Schriftenmission

Es begann auf dem Jahrmarkt

Heinrich Müller ist weithin bekannt geworden durch die von ihm begründete Volks- und Schriftenmission in Lieme/Lippe (jetzt Lemgo-Lieme). Bis zu seinem Heimgang hat er dieses Reichsgotteswerk geleitet und geprägt. Auf ihn trifft das Sprichwort zu: „Früh übt sich, wer ein Meister werden will.“ Schon als Siebenjähriger hat Heinrich Müller seine ersten Schriften verteilt, und zwar als kleiner Gehilfe seines Vaters, eines eifrigen Blaukreuzlers, der mit dem Blatt „Die Rettung“ durch die Straßen von Lemgo und in die benachbarten Dörfer zog.

Heinrich gewann früh den Heiland lieb. Als der Elfjährige nach einem Geburtstagswunsch gefragt wurde, lautete seine Antwort: „Mutter, ich möchte gern eine eigene Bibel haben.“ Mit dreizehn Jahren hatte er diese zum ersten Mal durchgelesen. Natürlich blieb vieles seinem Verständnis noch verschlossen, aber vieles senkte sich auch schon als guter Same in das Gemüt des Kindes.

Mit einem gleichgesinnten Freund, dem Sohn eines Kaufmanns, traf er sich oft auf dem Speicher von dessen Elternhaus. Die beiden Jungen haben dort die Bibel gelesen und miteinander gebetet. Und sie haben zusammen Schriftenmission getrieben! Das fing so an, dass sie Bibelsprüche und Liederverse auf Zettel abschrieben und diese verteilten. Ihr Eifer wurde fröhlich angefacht, als sie in einem kleinen Heftchen von einem Kind lasen, das Schriften auf dem Jahrmarkt verteilte. In einer Jahrmarktsbude las ein junges Mädchen eine solche Schrift und kam dadurch zum Glauben an den Herrn Jesus. Nun beteten die beiden Freunde inständig: „Herr Jesus, wir möchten auch Schriften verteilen, aber wir haben kein Geld, welche zu kaufen. Schenk uns doch bitte das nötige Geld.“ Nach einigen Wochen berichtete Heinrichs Freund strahlend: „Du, mein Vater hat mir für meine Mithilfe im Geschäft fünf Mark geschenkt. Dafür kaufen wir jetzt Traktate.“ In einer kleinen christlichen Buchhandlung in Lemgo gab es solche Schriften. Fünf Mark waren in jenen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg eine große Summe Geld und nicht gerade häufig in Kinderhänden. Darum äußerte der Buchhändler zunächst den Verdacht, das Geld sei gestohlen. Als er dann aber auf seine Nachfrage hin erfuhr, wer die Eltern der beiden Buben waren, ließ er sein Misstrauen fahren und händigte die Schriften aus. Darunter waren auch zehn Neue Testamente, von denen damals ein Exemplar sage und schreibe zehn Pfennige kostete!

Und nun mit der Beute erst noch einmal hinauf ins Gebetskämmerlein auf dem Speicher! Dort baten die beiden kleinen Missionare ihren Herrn um Mut und um offene Türen. Aber es fing dann sehr enttäuschend an. Als sie nämlich in den Wagen eines Karussellbesitzers traten und sagten: „Wir haben hier eine Schrift für Sie, in der steht etwas vom Herrn Jesus“, da hetzte der Mann doch tatsächlich seinen Hund auf die Jungen und trieb sie rasch hinaus. Hinter einem Kastanienbaum haben sie zu Gott um neuen Mut gefleht. Und die „Tante“ im zweiten Wagen, die dort krank und allein lag, nahm dann ihr Blatt mit Freuden auf. Als sich herausstellte, dass sie keine Bibel besaß, bekam sie auch noch ein Neues Testament geschenkt. Auch die weiteren Erfahrungen waren ermutigend. Die Herzen der Jungen waren voller Freude und Dank. Dieses Tun und Erleben war - so stellt ein Freund Heinrich Müllers fest – die eigentliche Geburtsstunde der Volks- und Schriftenmission!

Die überraschende Frage eines Generals

Die frühe Liebe zur Schriftenmission hat Heinrich Müller auch in die Soldaten- und Kriegszeit hineinbegleitet. Auch da boten sich Gelegenheiten, wo er mit Traktaten fröhlich missionieren konnte. Doch meinte er zunächst, er müsse sich auf Soldaten und Unteroffiziere beschränken. Einmal jedoch hatte ihn ein General von weitem bei seinem Tun beobachtet. Als dieser näherkam, ließ Heinrich Müller seine Traktate rasch in der Tasche. verschwinden. Doch der, hohe Offizier forschte nach, was er denn da verteile. Die Antwort: „Religiöse Schriften, Herr General!“ - „Kann ich mal eine sehen?“ Unserm Missionar zitterten die Knie und Hände, als er ein Traktat überreichte, auf dem in der „Sprache Kanaans“ als Titelfrage formuliert war: „Hast du Jesum, hast du Frieden?“ Die Reaktion des Generals war völlig unerwartet. Er sah abwechselnd auf das Blatt und auf den furchtsamen Untergebenen und fragte dann: „Sagen Sie mal, sind Sie der Meinung, dass eine solche Schrift nichts für einen preußischen Offizier sei?“ Fortan hat Heinrich Müller sein Leben hindurch keine Angst mehr gehabt, an Menschen jeden Ranges Traktate weiterzureichen.

Eine weitere Ermutigung folgte wenige Tage später. Als Heinrich Müller wieder beim Verteilen war, legte sich von hinten eine Hand auf seine Schulter. Er blickte sich um und gewahrte einen Offizier. Dieser fragte ihn: „Kamerad, hast du noch Munition für mich? Ich habe die meinige alle verschossen.“ Da wurden der Mann aus dem Mannschaftsstand und der Offizier Verbündete beim Traktateverteilen! Auf Grund solcher und ähnlicher Erlebnisse hat unser Bruder später die Missionsfreunde immer wieder ermuntert: „Lasst uns nicht feige sein! Wenn wir etwas für Jesus wagen, dann steht er hinter uns, und wir werden seine Gnade und seine Kraft erfahren. Er lässt es dann nicht an Freude und ermutigenden Zeichen fehlen.“

»Lass die Schrift in einer hohen Auflage erscheinen!«

Nach seiner Ausbildung im Johanneum stand Heinrich Müller kurze Zeit in der Jungmännerarbeit im heimatlichen Lipperland. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ging ein geistliches Frühlingswehen durch die Lande. Heinrich Müller, voll glühender Retterliebe, gab sich in seiner Jugendarbeit nicht mit allerlei Firlefanz ab, sondern er rief die jungen Leute unter das Wort Gottes und zum Heil in Jesus. Gottes Geist wirkte mächtig, und viele Menschen kamen zum lebendigen Glauben an den Heiland. Es entstanden viele Bibelkreise, die regelmäßig betreut wurden. Heinrich Müller war oft Tag und Nacht unterwegs. Radfahrten von 6o km und mehr an einem Tage waren keine Seltenheit. Gott schenkte treue junge Menschen aus allen Berufen als Helfer. Doch Heinrich Müllers missionarisches Wollen und seine evangelistische Gabe drängten über diese festumrissene Aufgabe hinaus. Er begann, die ersten Traktate zu schreiben. Sie waren zunächst für die Kreise bestimmt, in denen er mitarbeitete.

Im Jahre 1921 kam Bruder Müller als Evangelist nach Lieme und wohnte dort im Hause von Frau Auguste Schröder, Dorfstraße 3. Im Jahre 1923 heiratete er Frau Schröder. Wie aus Protokollen hervorgeht und auch noch bei vielen alten Freunden der Mission bekannt ist, hat diese seine erste Lebensgefährtin sich um das Werk sehr verdient gemacht. Ihr Haus wurde die Grundlage und Heimstatt für die 1927 gegründete Volks- und Schriftenmission Lieme.

Nach dem Heimgang von Frau Auguste Müller, geb. Schröder, erbte Bruder Müller das Haus in Lieme, Dorfstraße 3. 36 Jahre war die Heimgegangene eine treue Mutter und Mitarbeiterin des Missionswerkes. Gott schenkte dieser Ehe eine Tochter Ruth, jetzige Frau Weber. Von 1953 bis 1961 war Evangelist Gotthold Weber Mitarbeiter des Werkes.

In seiner zweiten Ehe verband sich Heinrich Müller mit Frau Gertrud, geb. Sieghardt. Es wurden 10 gemeinsame Jahre, in denen beide in einer frohen Harmonie ihre Gaben dem Werk der Schriftenmission widmeten.

Wir hörten oben schon von Heinrich Müllers ersten Schreibversuchen. Es war im Jahre 1927 als er Missionar Reiffert, der in Lieme die Ferien verbrachte, eine kleine, gerade vollendete Schrift mit dem Titel „Durch Leiden zur Herrlichkeit“ vorlegte. Lassen wir ihn nun selber erzählen, was sich weiter begab: „Die Schrift war aus der Erkenntnis entstanden, dass es gut sei, bei Krankenbesuchen eine kleine Schrift zu hinterlassen, die über den Segen des Leides unterrichtete. Es gab damals schon manche wertvollen Schriften für Kranke. Aber für die, welche viele Krankenbesuche machten, waren sie zu teuer. Da gab der Herr den Auftrag, einmal etwas zu schreiben, was nach Möglichkeit kostenlos herausgegeben werden konnte.

Nach aufmerksamem Lesen gab mein Freund das Manuskript zurück und sagte: ‚Die Schrift wird vielen Kranken zum Segen. Ich rate dir, lass sie in einer hohen Auflage drucken.‘ Wir beteten um Klarheit und sagten dem Herrn: ‚Wir sind bereit, den Weg im Glauben zu gehen‘. In den nächsten Wochen antwortete Gott. Während einer Reise wurden mir von verschiedenen Seiten Liebesgaben überreicht mit der Bemerkung: Für einen besonderen Zweck. Ermutigt durch die wunderbare Gebetserhörung, bat ich die Druckerei um die Berechnung von 10000 Stück einer 32-seitigen Schrift. Der Inhaber der Druckerei antwortete: ‚Warum wollen Sie denn nur 10000 drucken lassen? Ich mache Ihnen den Vorschlag, doch gleich 30000 auflegen zu lassen, dann können Sie Ihr Vorhaben leichter ausführen.‘ So erhielt ich ein Preisangebot über 30000 Schriften. Nun wagten wir, den Herrn um die notwendigen Mittel zu bitten, und er füllte uns die Hände, ohne dass im Kreise der Freunde besonders davon gesprochen wurde. Der erste Auftrag konnte sofort bar bezahlt werden. Das war ein Geschenk Gottes am Anfang unserer Missionsarbeit.

Etwa 6 – 8 Wochen nach Erscheinen der Schrift war die erste Auflage bereits vergriffen. Viele Briefe sprachen in den nächsten Monaten von den Segensspuren. Kranke teilten mit, dass sie über dem Lesen der Schrift gestärkt wurden. Andere bekannten: ‚Ich habe durch die Schrift Frieden mit Gott gefunden.‘ Gemeindeschwestern, Pastoren, Ärzten, Diakonissen und Gläubigen aus allen Kreisen legte es der Herr aufs Herz, die Schrift zu verbreiten. Sie fand auch schnell über Deutschlands Grenzen hinaus viele Freunde. Schon im ersten Jahr ging sie in 16 Länder der Erde.“

Auf die erste Schrift folgten bald weitere, die ebenfalls eine starke Verbreitung erfuhren. Daraus ergaben sich mancherlei Fragen, die durchgebetet und besprochen werden mussten. Es wurde ein Bruderkreis gebildet, der die Verantwortung mit übernahm. Damit war eine neue Missionsarbeit ins Dasein getreten.

»Dann müssen wir noch mehr beten und glauben«

Dieser Satz wurde in dem genannten verantwortlichen Bruderkreis ausgesprochen, als wieder einmal das von Anfang an auf freiwillige Gaben der Missionsfreunde sich stützende Werk der Schriftenmission in einen finanziellen Engpass geraten war. Doch durch alle Krisenzeiten hat der Herr – durch das Gebet und die Gaben der Freunde – die Arbeit hindurchgetragen. Immer wieder erwiesen sich die menschlichen Verlegenheiten als die Gelegenheiten Gottes. Aus der fleißigen Feder Heinrich Müllers flossen nach und nach an die 100 größere und kleinere Schriften und Broschüren. Alle waren klar, leicht verständlich und anschaulich geschrieben. Sie wurden viel gelesen, angefordert und verteilt. Sie beschäftigten sich mit vielen wichtigen Problem- und Lebensbereichen. Es seien einige Titel genannt: „Aberglaube und Zauberei“ – „Ist mit dem Tode alles aus?“ – „Der Witwen Kraft und Trost“ – „Die Bedeutung der Liebe im Leben der Gläubigen“ – „Die Bibel, das Wort Gottes“ – „Die Wiederkunft Jesu“ – „Eine rechte Verlobung“ – „Glückliches Familienleben“ – „Herr, lehre uns beten“ – „Ich will euch tragen bis ins Alter“ – „Ratschläge für die Seelsorge“ – „Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist?“ – „Wie können Kinder Gottes Frucht bringen?“ – „Zu Eurer Goldenen Hochzeit“.

Diese und andere Schriften wandten sich vorzugsweise an Gläubige, enthielten aber immer zugleich einen evangelistischen Ton. Dazu kamen laufend kleinere Traktate mit einer für Jesus werbenden und zum Heil einladenden Botschaft. Dabei arbeiteten dann auch andere Brüder mit, die mit Heinrich Müller im Geist und in der Verkündigung übereinstimmten. Nach 40 Jahren waren insgesamt über eine Milliarde Schriften in viele Länder der Welt hinausgegangen. Ja, der Rufkreis der Evangelischen Landeskirchlichen Volks- und Schriftenmission blieb nicht auf Deutschland und die deutsche Sprache beschränkt. Es wurden zum Beispiel in Brasilien große Verteileraktionen in portugiesischer und in Hongkong in chinesischer Sprache durchgeführt. Wieviel Geld kostete das alles! Da konnte schon einmal der Sorgengeist hochkommen. Aber Heinrich Müller wusste eine bewährte Antwort auf die Frage: „Wie verlernt man als Gläubiger das Sorgen?“ Und diese lautete: „Wenn man mit der Bitte gleich den Dank verbindet!“ In dem ständig wachsenden Werk mit seinen vielen Missionsaufgaben in aller Welt ist viel gebetet und gefleht worden, dass der Herr die erforderlichen Mittel darreichen möge. Alle gemachten Erfahrungen konnte Bruder Müller kurz so zusammenfassen: „Gott stellte uns oft auf die Probe, aber er ließ es uns immer wieder erleben: ‚Mein Jesus verspätet sich nie!“

Wir wollen jetzt einmal aufzählen, welche Bereiche und Gelegenheiten Heinrich Müller für die Verbreitung seiner Schriften ins Auge fasste und wo überall diese ihren Segensdienst tun durften: an Krankenbetten, bei Trauerfällen, bei Familienfesten, in Kurorten (in der selbstgewählten oder vom Arzt auferlegten Stille war mancher bereiter als in der häuslichen und beruflichen Hektik, eine Botschaft aus der Welt Gottes zu hören), auf Campingplätzen, unter Zigeunern, unter okkult Gebundenen und Belasteten, auf Jahrmärkten, unter Kindern, in Geschäften, als Beilage in Briefen, in der Bahnhofs- und Mitternachtsmission, in den Wartezimmern von Ärzten, auf der Straße, unter Erblindeten (verschiedene Hefte und Traktate wurden in Blindenschrift herausgebracht), unter dem fahrenden Volk der Zirkusse und. Schaubuden, unter Seeleuten, in Gefängnissen, für die Angehörigen fremder Völker. Und. immer wieder galt es auch, die Gläubigen zum Weg der Hingabe und Heiligung zu rufen und sie zum Dienst zu ermuntern. Öfter gab es „Großaktionen“. Dann wurden ganze Städte zum Missionsgebiet erklärt und durchmissioniert.

Unermüdlich hat Heinrich Müller die Dringlichkeit, die Schönheit und den Segen der Mitarbeit im Reiche Gottes durch Schriftenmission eingeschärft. „Ich bitte dich, lass uns beide so die Zeit auskaufen, als ob jeder Tag der letzte für uns sei!“

Er rief aber nicht nur die anderen. Er war selber als Schriftenmissionar unermüdlich an der Front. Wo immer sich eine Gelegenheit bot, auf Reisen, in der Eisenbahn, im Urlaub und Kuraufenthalt verteilte er seine Schriften. Als einmal eine Evangelisation, die viel Arbeit und Kraft erfordert hatte, zu Ende gegangen war, lud ihn sein Gastgeber zu einem kurzen Erholungsspaziergang ein. Dieser Freund war dann sehr erstaunt, als auch dafür sein Gast sich „Munition“ einsteckte. Jemand hat den originellen Vergleich gebraucht: „Was dem begnadeten Posaunengeneral Kuhlo sein Flügelhorn war (er trug es überall bei sich), das waren bei Bruder Müller seine Schriften, ohne die er wohl kaum eine Reise angetreten hat.“

»Bei Ihnen kann man alles auspacken«

Bis ins 74. Lebensjahr hinein hat Heinrich Müller seinen ausgedehnten und anstrengenden Dienst getan. Er hat sich nicht damit begnügt, am Schreibtisch geruhsam seine Schriften zu schreiben und hinausgehen zu lassen. Er ist stets viel zu Vorträgen und Evangelisationen unterwegs gewesen. Noch auf seinem letzten Krankenlager war er in seinen Gedanken mit der Reisetasche beschäftigt, die man ihm für den nächsten Dienst bereitstellen sollte. Er wurde persönlich und brieflich von vielen Leuten aufgesucht, die seinen Rat und seine Seelsorge begehrten. Viele mühselige und beladene Menschen fanden unter seinem Zuspruch die Gewissheit der Vergebung ihrer Sünden und neuen Mut zum Leben und Glauben. Schon seine Gabe und Bereitschaft des geduldigen Zuhörens bedeutete Hilfe und Ermutigung, zum Beispiel für eine junge Christin, die in mancherlei Zweifel geraten war und die beglückt feststellte: „Bei Ihnen kann man alles auspacken. Man braucht sich überhaupt nicht zu gel)ieren."

Viel Seelsorge ergab sich für Bruder Müller auch immer auf den Bibelfreizeiten, die für den Freundeskreis der Schriftenmission an landschaftlich schönen Plätzen des In- und Auslandes veranstaltet wurden. Wo er „ehrbaren“ Menschen begegnete, die nicht so recht einsehen konnten, warum sie einen Heiland brauchten, gab er ihnen wohl den Rat: „Beten Sie täglich, dass der Herr Ihnen Ihr Herz zeigt und dann sein Herz!“ Bei innerlich festgefahrenen und müde gewordenen Gotteskindern suchte er behutsam nach den Gründen für die betrübliche Entwicklung. Manchen half es zur Klärung ihrer Lage und zu den ersten Schritten eines Neuanfangs, wenn sie sich ehrlich den an sie gerichteten Fragen stellten: „Haben Sie mit der Sünde ganz gebrochen? Haben Sie sich Jesus ganz ausgeliefert? Haben Sie gefährliche Verbindungen mit den Kindern der Welt abgebrochen? Haben Sie Jesus vor den Menschen bekannt? – Wo Licht ist, da leuchtet es auch!“

Zum 40-jährigen Jubiläum der Ev. Landeskirchlichen Volks- und Schriftenmission gab Heinrich Müller eine umfangreiche Festschrift heraus. Diese schloss er mit den folgenden Sätzen, die noch einmal auf seinen und aller Jünger Jesu Lebensauftrag hinweisen:

„In einer Gegend gab es einen Sonderling. Er suchte alle die Plätze auf, wo Unkraut stand, entfernte es und streute kostbaren Blumensamen aus. Nach einigen Monaten zierten blühende Blumen die ehemaligen Unkrautecken. Man sah Vergissmeinnicht, Goldlack und andere Blumen. Die Menschen in den Ortschaften zerbrachen sich den Kopf, wer nur die Blumen dorthin gesät haben mochte, bis man nach langer Zeit entdeckte, dass der Sonderling den Samen ausgestreut hatte. Von der Zeit an nannte man ihn das Samenmännlein. – Wollen wir beide nicht auch solch ein ‚Samenmännlein‘ werden, das auf dem Wege durch dieses Leben unermüdlich den kostbaren Samen des Wortes Gottes ausstreut? Wir gehen nur einmal über diese Erde. Bei diesem einmaligen Gang kommt es darauf an, dass wir Menschen des Segens werden.

Arno Pagel

 

 

(geringfügig überarbeitet im Oktober 2016)